Kabinengespräch:Ronnie Schmidt und Florian Last: „Wollen, dass es dem Verein gut geht“

Ronnie Schmidt und Florian Last sind Beisitzer unseres Vorstands und seit mehr als 20 Jahren im Verein. Wir haben uns mit den beiden zwischen den Jahren getroffen und mehr als drei Stunden über ihre bisherige Zeit in Bielstein gesprochen. Im zweiten Teil des groß angelegten Legendengesprächs sprechen Ronnie und Florian über die Frauen an ihrer Seite, ehrenamtliches Engagement und ihre Anfangszeit im BSV Viktoria Bielstein.

Florian Last und Ronnie Schmidt vor dem Vereinshaus des BSV Bielstein
Gut gelaunt: Ronnie Schmidt und Florian Last beim Legendengespräch

Nach dem Aufstieg im Sommer habt ihr gemeinsam mit euren Freundinnen eure Lebensplanung weiter vorangetrieben: Florian, du hast deine Jugendliebe „Molle“ (Iris Last, Anm. d. Red.) nach knapp 15 Jahren Beziehung in einer tollen Zeremonie geheiratet; Ronnie, du hast deiner Freundin Katrina (Schneider, Anm. d. Red.) in deiner zweiten Heimat Mallorca nach über 10 Jahren Beziehung einen Heiratsantrag gemacht und dafür ein „Ja“ bekommen. Hat sich der Ältere (Ronnie, Anm. d. Red.) beim Jüngeren (Florian, Anm. d. Red.) abgeschaut, wie schön doch das Heiraten sein kann?

Florian:(lacht) Kurioserweise haben wir da nie drüber gesprochen.

Ronnie:(lacht) Nö, eigentlich nicht. (grinst) Mein kleiner Bruder ist bereits seit einigen Jahren verheiratet, auch andere Leute aus meinem Umfeld haben in den letzten Monaten geheiratet. Ich hatte vor zwei Jahren schon einmal den Gedanken, Katrina einen Antrag zu machen, aber damals hatte es sich nie so richtig ergeben. Meine Freundin hat vor zwei Jahren noch eine Weiterbildung gemacht, später haben wir das Haus gebaut. Dann dachte ich, dass es eine schöne Sache wäre, ihr am Tag unseres 10-jährigen Jubiläums (im Mai 2018, Anm. d. Red.) den Antrag zu machen. Leider funktionierte das auch wieder nicht so, wie ich mir das vorgestellt habe. Da ich eigentlich schon wusste, dass im Sommer ein Mallorca-Urlaub anstehen würde, habe ich dann daran gedacht, einfach dort Nägel mit Köpfen zu machen. So habe ich das dann gemacht und es hat ja gottseidank auch funktioniert. Jetzt stecken wir mitten in den Vorbereitungen – und die sind nicht weniger stressig als die Vorbereitungen auf den Antrag. (lacht)

Holt sich denn der Ältere beim Jüngeren Tipps?

Ronnie: Ich war Florians Trauzeuge und er ist nun mein Trauzeuge. Deshalb spricht man natürlich viel über die Hochzeit. Ich rufe ihn aber jetzt nicht an, wie ich die eine oder andere Sache planen soll – da steht eher der Dialog mit Katrina im Vordergrund.

Florian: Wir reden relativ viel miteinander, deswegen kommt man natürlich auch schon mal ab und zu auf dieses Thema zu sprechen. Man spricht dann natürlich mal darüber, wie man spezielle Sachen wie zum Beispiel den Polterabend organisiert hat. Aber es ist tatsächlich bisher nicht so gewesen, dass Ronnie mich anrief und fragte: „Wie würdest du die und die Sache machen?“

Was bedeuten euch die Frauen an eurer Seite?

Ronnie: Jetzt wird es aber tiefsinnig. (lacht) Nein Spaß, sehr viel natürlich! Wir sind jetzt seit mehr als zehn Jahren zusammen und sie ist eine große Stütze und sehr wichtige Person in meinem Leben. Ich muss auch sagen, dass es für mich immer etwas ganz Besonderes war, wenn Katrina bei Spielen von uns am Seitenrand stand und uns anfeuerte. Als unsere Damen noch am Samstagabend spielten, waren wir auch häufig da und haben sie angefeuert. Das wurde später schwieriger, weil die Damen seit einigen Jahren auch am Sonntagabend spielen. Nachdem ich im Sommer aufgehört habe, funktioniert das aber wieder besser – wenngleich ich jetzt leider auch schon mal abwägen muss, ob ich meiner Freundin oder der Ersten Herren zugucken will. Ich habe mich bisher aber immer für meine Freundin entschieden. (lacht)

Florian: Ich bin jetzt knapp 15 Jahre mit „Molle“ zusammen und habe meine große Jugendliebe im August geheiratet. In den vergangenen Monaten haben wir zusammen ein Haus gebaut – das sagt ja schon alles. „Molle“ ist neben meiner Familie der wichtigste Mensch in meinem Leben. Außerdem ist es für sie immer schön, bei der Weihnachtsfeier mit den Mädels aus dem Verein einen zu trinken. (lacht)

Wie stehen eure Frauen zum Thema Fußball?

Florian: Das erste, was mir dazu spontan einfällt, ist, dass wir beide ganz unterschiedliche Situationen zuhause vorfinden. Katrina ist ja ähnlich wie Ronnie fast schon am Sportplatz geboren und kennt das dementsprechend alles gut …

Ronnie:(unterbricht) Kurioserweise habe ich Katrina im Jahr 2008 tatsächlich durch den BSV kennengelernt, weil sie auch damals schon bei unseren Damen spielte. Wir sind uns damals oft am Sportplatz über den Weg gelaufen und ab und zu auch schon mal zusammen in die Box gegangen. So sind wir dann zusammengekommen. Katrina ist auch immer noch aktive Fußballerin und weiß ganz gut, wie man ein aktives Vereinsleben lebt. Vielleicht hat sie deswegen für bestimmte Dinge auch einfach ein Stück weit mehr Verständnis als andere Frauen – ich habe sie auf jeden Fall noch nie meckern hören, warum ich schon wieder beim Fußball bin. (lacht)

Florian: Es ist vermutlich anders. „Molle“ hat beispielsweise auch sehr viel Verständnis für den Fußball, aber ich muss ihr vermutlich mehr darüber erzählen, als das vielleicht bei Katrina der Fall ist. Ich erkläre ihr dann häufiger mal, was wir machen und warum wir uns treffen. Das wichtigste ist glaube ich wirklich einfach, dass das Verständnis da ist. Leider sind sonntags nämlich nicht nur Fußballspiele, sondern häufig auch mal Familienfeiern – und wir haben das in der Vergangenheit dann häufig so gehandhabt, dass ich entweder nicht dabei war oder wir es auf einen so frühen Zeitpunkt legten, dass wir um 12 Uhr essen konnten und ich danach direkt wieder fahren konnte. Das war bestimmt die letzten 15 Jahre so – da bin ich „Molle“ sehr dankbar, dass sie das die ganze Zeit so mitgetragen hat.

Ronnie: Das sehe ich ähnlich. Es gibt ja eben nicht nur die Fußballspiele, sondern auch Mannschaftstouren oder Mannschaftsabende. Da musste ich mich gegenüber Katrina nie rechtfertigen, weil sie das eben selbst kennt.

Florian: „Molle“ hat tatsächlich einen sehr guten Umgang mit dem ganzen Thema. Sie macht sich auch nicht so viel aus dem Fußball und hat bisher auch erst zwei Spiele von mir gesehen. Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass ich gerade frisch mit ihr zusammen war, als ich mal für ein Jahr von Bielstein nach Elsenroth gewechselt bin – damals hatte der BSV Bielstein keine A-Junioren. Jedenfalls waren viele Freundinnen von „Molle“ mit meinen Mitspielern zusammen und – anders als „Molle“ – regelmäßig bei unseren Heimspielen dabei. Irgendwann hat sie sich dann mal von ihren Freundinnen bequatschen lassen, doch auch mal vorbeizukommen. Prompt setzte es für uns eine Niederlage – übrigens die einzige Niederlage der Saison, in der ich obendrein Torschützenkönig wurde (in dieser Saison spielte Florian als Stürmer, Anm. d. Red.). Letztes Jahr war sie dann noch einmal bei einem unserer Spiele da. Zur Halbzeit lagen wir 0:2 zurück. Da ging sie mit ihrer Schwester und ihrer Nichte und ihrem Neffen für eine gute Stunde an den Spielplatz. Als sie wiederkam, hatten wir 4:3 gewonnen. Danach hat sie mir dann immer gesagt: „Du hast ja gesehen: Wenn ich komme, verliert ihr.“ Das ist inzwischen unser Running Gag. (lacht)

Ihr bleibt uns trotz Hausbau und trotz Hochzeit bzw. Verlobung erfreulicherweise als engagierte Mitglieder erhalten: Florian, du bist Torwarttrainer unserer Ersten Herren, außerdem planst du unsere Veranstaltungen mit. Du engagierst dich als Beisitzer für Sonderaufgaben, Ronnie. Was bedeutet euch euer Engagement in eurem BSV?

Florian: Ich glaube, dass sich unser Engagement im Wesentlichen daran begründet, dass man den Verein sehr ins Herz geschlossen hat und man einfach weiterhin ein fester Bestandteil des Vereins sein möchte. Um es mal anders auszudrücken: Wenn der Christof (Fries, Anm. d. Red.) heute Abend hier reinkommen und uns die Abmeldung auf den Tisch legen würde, würde er uns damit sehr wehtun.

Ronnie: Definitiv! Ich bin seit über 20 Jahren in diesem Verein und kann sagen, dass der BSV Bielstein in dieser Zeit für mich zu einer Herzensangelegenheit geworden ist. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, mich irgendwo anders in der Art und Weise zu engagieren wie ich es hier tue. Ich will einfach, dass es dem Verein gut geht.

Florian: Man kann es auch aus einer anderen Perspektive betrachten. Wir treffen in unserem Verein auf Mitglieder im Alter von 2-3 Jahren, die man persönlich kennt, aber auch auf Mitglieder, die fast 90 Jahre alt sind. Natürlich wird es immer Leute geben, die hinten herunterfallen, aber über die gesamte Dauer lernt man hier doch sehr viele Leute kennen, mit denen man gefühlt das ganze Leben zu tun hat – wie zum Beispiel einen Thomas (Rothe, Anm. d. Red.) oder einen Christopher (Pethe, Anm. d. Red.). Du kannst eigentlich immer hier runterkommen und es ist immer jemand da, den du kennst. Das klingt sehr pathetisch, aber für mich ist der BSV Bielstein so etwas wie eine Familie.

Ronnie: Stimmt!

Florian: Du bist hier immer herzlich Willkommen. Die Feiern, die du machst, machst du auch nicht, weil du unfassbaren Bock hast, eine Feier zu organisieren – natürlich haben wir auch keinen Bock, eine Feier zu organisieren. Aber am Ende machst du es trotzdem und hast einfach Spaß dran, weil die Feier dann echt geil ist. Es könnten an manchen Tagen vielleicht mehr Mitglieder sein, die sich engagieren, aber damit hat fast jeder Verein zu kämpfen.

Ronnie: Ich denke, dass es gerade die Menschen sind, wegen denen man hier ist – egal, ob es um einen Florian, einen Benjamin oder einen Thomas geht.

Wie kamt ihr dazu, euch ehrenamtlich zu engagieren?

Ronnie: Tatsächlich war Thomas (Rothe, Anm. d. Red.) mein großes Vorbild, was das ehrenamtliche Engagement angeht. Ich hatte schon länger aus der Ferne beobachtet, was er alles so macht und organisiert, als er irgendwann auf mich zukam und mich fragte, ob ich ihm ein bisschen helfen möchte. Ich fand es damals faszinierend, wie positiv, begeisternd und trotzdem locker er bei der Sache dabei war. Thomas schaffte es, mich mit seiner Begeisterung anzustecken. Irgendwann trat er dann kürzer und ich wurde sein Nachfolger als Beisitzer für Veranstaltungen. Das war eine Ehre für mich, schließlich ist Thomas eine Institution. Er hat auf jeden Fall einen sehr großen Teil dazu beigetragen – vermutlich auch bei dir, Florian –, dass wir uns hier engagieren. Er ist für mich einfach nicht aus diesem Verein wegzudenken.

Florian: Es ist nicht immer leicht, die Mitglieder für das Ehrenamt zu begeistern – Thomas hat das tatsächlich geschafft, aber auch Alfred (Lindemann, Anm. d. Red.) hat mich beeinflusst. Beide kamen damals auf mich zu und führten mich mit kleineren Aufgaben nach und nach an das Ehrenamt heran. Mir fiel es schwer, Nein zu sagen. Und man darf ja nicht vergessen: Es macht auch großen Spaß, zu helfen.

Ronnie: Das Thema Ehrenamt ist gerade übrigens wieder relevant, denn wir stehen vor der Herausforderung, dass wir viele Aufgaben vor der Brust haben und zeitgleich sehr schnell sehr stark gewachsen sind. Wir müssen die vielen Mitglieder, die neu in den Verein gekommen sind, für das Ehrenamt begeistern und ihnen bewusst machen, dass wir auf ihr Engagement angewiesen sind.

Florian: Ich glaube aber, dass wir ein sehr gutes Umfeld haben, um Mitglieder in unserem Verein zu integrieren – darauf bin ich auch sehr stolz. Neue Mitglieder für das Ehrenamt zu gewinnen und trotzdem weiterhin so ein großartiges Vereinsleben zu haben – das ist mein Ziel für die kommenden Jahre.

Ronnie: Es wird sicherlich auch irgendwann mal wieder eine kleine Delle in der Entwicklung des Vereins geben – das gehört dazu. Ich wünsche mir aber einfach, dass wir weiterhin das positive Bild abgeben können, das wir derzeit nach außen tragen und die Leute mit unserer positiven Entwicklung begeistern können. Das ist einfach geil.

Florian: Wir müssen einfach sehen, dass wir uns weiterhin so gut entwickeln – und das weiterhin unabhängig von einzelnen Personen, sondern ausschließlich in der Gemeinschaft.

Ronnie: Die Entwicklung, die mit Christof Fries als erster Vorsitzender vorangetrieben worden ist, ist natürlich großartig. Aber das Engagement von seinen Vorgängern wird dadurch nicht weniger wichtig – die haben den Verein in einer schwierigen Zeit am Leben gehalten. Trotzdem war das damals für den Verein natürlich nicht leicht. So, wie es gerade ist, ist das natürlich einfach geil – vor allem, weil wir mit unserer Entwicklung sowohl bei den Junioren als auch bei den Senioren noch lange nicht am Ende sind. Ich trage unser Wappen immer mit großem Stolz, aber gerade natürlich besonders gerne.

Es ist 19:41 Uhr, als wir die erste Raucherpause einschieben. Auch das ist ein Ritual der beiden: Kaum eine Feier und kaum ein Public Viewing vergeht, ohne dass die beiden einen großen Teil der Zeit rauchend vor der Tür verbringen. Da kann es auch schon mal egal sein, dass im Vereinshaus gerade eine Weihnachtsfeier oder ein WM-Finale mit deutscher Beteiligung läuft. Wir setzen das Gespräch um 19:52 fort. Aus den Dialogen vor der Tür hätte man ein Interview für sich basteln können.

Ihr habt in der Raucherpause festgestellt, dass ihr vor vielen Jahren zu einer ähnlichen Zeit zu uns nach Bielstein gekommen seid. Wie kam das?

Florian: Das war in der 5. Klasse. Ich war auf der Realschule in Bielstein und hatte einen Klassenkameraden, der hier im Verein Fußball spielte – Marc Neubauer war sein Name. Marc fragte mich: „Ey Flo, haste nicht mal Bock auf Fußball?“ Ich hatte als kleines Kind mal bei den Bambinis in Wiehl gespielt, mich dort aber irgendwann auf die Steine gesetzt und zu meiner Mutter gesagt: „Mama, ich hab‘ keinen Bock mehr zu laufen!“ Dann war meine Karriere erst einmal vorbei – jedenfalls bis Marc mich immer wieder ansprach. Irgendwann sagte er: „Ey Flo, komm doch mal zum Training.“ Ich überlegte hin und her – zuhause hatte ich auch schon mal des Öfteren gekickt, also hatte ich schon Bock auf Fußball, aber eben nie so den Draht zum Verein gehabt. Jedenfalls nahm mich mein Klassenkamerad dann mit runter – da war ich vielleicht gerade 10 oder 11 Jahre alt. Später bin ich dann nochmal für ein Jahr nach Elsenroth, weil wir hier damals einen Jahrgang nicht besetzen konnten. Ich kam dann aber relativ schnell wieder zurück, weil der Christof (Fries, Anm. d. Red.) mich anrief und mir erzählte, dass sie eine Zweite Herren aufmachen würden.

Ronnie: Ich fing in Dieringhausen an, Fußball zu spielen, und habe dort auch durch ein paar Juniorenmannschaften durchlaufen. Irgendwann gab es dann mal eine Auszeit, weil ich Judo besser fand, ehe ich im Alter von 13 Jahren wieder mit dem Fußballspielen anfing. Damals war „Api“ (Joachim Schlechting, Anm. d. Red.) mein Trainer, der kurioserweise jetzt montags bei unseren Alten Herren kickt. Leider hatte „Api“ seinerzeit zum Ende der Saison aufgehört. Gleichzeitig hatte Alex (Moog, Anm. d. Red.) immer wieder mal versucht, mich nach Bielstein zu locken – er kannte meine Nachbarin und dadurch auch mich. Letztendlich blieb er dran und sorgte zusammen mit einem ehemaligen Klassenkameraden dafür, dass ich beim BSV landete. Er war dann auch mein Trainer – von den C-Junioren bis zu den A-Junioren. Das war damals eine schöne Zeit. Alex ist auch eine Granate, das war er damals schon gewesen – er hat uns auch an das Vereinsleben herangeführt, das wir heute führen. Mit Alex feierten wir großartige Partys und erlebten tolle Holland-Touren – und dann gab‘s natürlich noch den Aufstieg, den ich eben schon erwähnt habe.

Wie ging es dann weiter?

Ronnie: Irgendwann durfte ich dann das erste Mal bei den Ersten Herren mittrainieren – als Jungspund mit gerade mal 18 Jahren. Da waren „Kuddel“, „Mümmel“ und Jens (Prangenberg, Imharraf, Schacht, Anm. d. Red.) meine Mitspieler. Leider fand ich erst einmal nicht den Anschluss und hatte auch ein paar Flausen im Kopf – ich habe zu der Zeit beispielsweise gerne mal am Wochenende in der Box Musik aufgelegt. Thomas (Rothe, Anm. d. Red.) blieb aber an mir dran und machte mich immer wieder heiß. Letztendlich sorgte er damit dafür, dass ich wieder hier landete. Ich fing dann unter Jojo (Liebenau, Anm. d. Red.), der damals hier Trainer der Zweiten Herren war, mit dem Fußballspielen an – zusammen übrigens mit David (Kaune, Anm. d. Red.), den ich von der Feuerwehr kannte und von der SG Dieringhausen/Marienhagen mitbrachte. Ein paar Monate später gab es dann bei der Ersten Herren einen Trainerwechsel – Oliver Strombach wurde der neue Trainer. Eine seiner ersten Amtshandlungen war, David und mich in die Erste Herren hochzuziehen. Ich kam mit Oliver gut klar und fand auch, dass er gutes Training gemacht hat. Leider verloren wir gleich zu Beginn sieben Mal am Stück, sodass die Geschichte schnell beendet war. Nach einer kurzen Interimsphase mit „Mümmel“ und „Pelle“ (Mohamed Imharraf und Andreas Pellmann, Anm. d. Red.) als Interimstrainer übernahm schließlich Kai (Pickhardt, Anm. d. Red.) als Cheftrainer. Unter Kai wurde ich schließlich Kapitän der Ersten Herren – leider war das nicht so ganz glücklich gelaufen. „Mümmel“, unser eigentlicher Kapitän, wurde vom Kai mehr oder weniger abgesetzt – seitdem waren die sich nie mehr so richtig grün. Ich hatte das auch einmal erlebt, als ich von der damaligen Mannschaft nicht mehr als Kapitän bestätigt und David erster Kapitän der Ersten Herren wurde. Aber das ist nur eine Randgeschichte. Leider stiegen wir in meinem ersten Jahr als Kapitän aus der Kreisliga B ab. Kai wurde entlassen und später durch „Stümmel“ (Klaus-Dieter Stenzel, Anm. d. Red.) ersetzt. Das sollte sich im Nachhinein als echt Glücksgriff erweisen – denn dieser Mann ist vielen Spielern wirklich bleibend in Erinnerung geblieben. Unter ihm hatten wir eine richtig schöne Zeit.

Florian: Unter „Stümmel“ war Fußball eigentlich egal.

Ronnie: „Stümmel“ war wirklich besonders. Ich habe noch nie einen Trainer erlebt, der sich so schnell in unser Vereinsleben integriert hat und sich – egal, ob er mit seinen Spielern oder vermeintlich Fremden unterwegs war – so gut amüsieren konnte. Das war wirklich faszinierend. Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass wir donnerstags oft im Vereinshaus saßen und unsere Teamsitzungen hatten. Da war „Stümmel“ der erste von den Männern, der sich eine Zigarette anzündete und rauchte. Früher war das halt auch alles etwas geselliger als heute. Heute müssen die Raucher ja vor der Tür stehen und sind damit immer getrennt von den anderen. Das ist ein bisschen schade.

Florian: „Stümmel“ war menschlich top, ein absoluter Vereinsmensch. Ich glaube auch, dass es in seiner Zeit bei uns nie jemanden gab, der mal beleidigt oder unzufrieden war. „Stümmel“ hat das vermutlich unbewusst gemacht, aber er strahlte eine unfassbare Ruhe aus. Das hatte einfach mit seiner Art zu tun.

Ronnie: Das war einfach eine Granate. Thorsten Lenger und Carsten Stellberg waren sein Co-Trainer und sein Torwarttrainer. Vielleicht war es auch die Mischung: „Stümmel“ als der eher ruhige Trainer, Thorsten als Anpeitscher. Das war eine gute Sache. In dieser Zeit entstand hier im Verein auch die Basis für unsere außergewöhnliche Gemeinschaft.

Im dritten Teil des Interviews erzählen Ronnie und Florian, wie sie sich kennengelernt haben und wie zwischen ihnen eine echte Männerfreundschaft entstand. Außerdem erzählen die beiden über die Trainer, die sie am meisten geprägt haben, sowie das 100-jährige Jubiläum des Vereins. Das Interview erscheint nächste Woche Samstag.

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