Kommentar:Kein Anschluss unter dieser Nummer

Wer kennt das nicht? Für das Spiel in drei Wochen haben gleich mehrere Spieler abgesagt, weil sie auf Geburtstag, Klassenfahrt oder Kommunion sind oder wegen einer neu auftretenden Verletzung vielleicht sogar längerfristig ausfallen. Schnell stehen so statt 15 nur noch 9 Spieler zur Verfügung. Klare Sache: das Spiel muss verlegt werden. Eigentlich relativ einfach – sollte man meinen. Tatsächlich gibt es aber immer wieder große Schwierigkeiten. Verantwortlich dafür ist u.a. die schlechte Kommunikationspolitik vieler Vereine, sagt Benjamin Gries.

Kein Anschluss unter dieser Nummer - dieser Spruch ist bei Verlegungen leider immer noch aktuell

Ein Spiel der Junioren zu verlegen, ist eigentlich recht einfach – vor allem, wenn man relativ frühzeitig Bescheid weiß, dass eine Verlegung unumgänglich ist. Sobald klar ist, dass man eine Partie aus welchen Gründen auch immer verlegen muss, sucht man den Kontakt zum Gegner und bittet um Verlegung. Stimmt der Trainer dieser zu, vereinbart man einen neuen Termin und teilt diesen im Anschluss an den Staffelleiter mit. Bis zu fünf Tage vor dem Spiel kann man so vorgehen. Danach ist man auf das freundliche Entgegenkommen der Staffelleiter angewiesen. In der Theorie klingt das alles sehr einfach. In der Praxis gibt es dagegen immer wieder große Probleme.

Dabei fängt der Fisch oftmals leider bereits relativ früh zu stinken an. Der Großteil der Spielpläne der Junioren und Juniorinnen wird in der Regel bereits im Sommer veröffentlicht. Unausweichliche Termine wie Geburtstage, Klassenfahrten oder auch die Kommunion bzw. Konfirmation stehen da schon längst fest. In der Theorie könnten die meisten Spiele also unmittelbar nach der Veröffentlichung des Spielplans verlegt werden. Leider haben das nur die wenigsten Trainer auf dem Schirm, was die Praxis sehr erschwert. So kommt es im Trubel des Alltags häufiger vor, dass der Trainer erst am Mittwoch merkt, dass er am darauffolgenden Samstag überhaupt keine Mannschaft zusammenbekommt. Die Folge: der vollkommen entgeisterte Anruf des Trainers beim eigenen Juniorenleiter, der fortan alle Hebel in Bewegung setzen muss, um das Spiel irgendwie doch noch verlegen zu können.

Dabei ist die Kommunikation mit dem Gegner leider oftmals ein Problem für sich – auch dann, wenn man eigentlich rechtzeitig angefragt hat. Die Internetseite des Vereins wird – im Jahr 2016 wohlgemerkt – zwar allmählich zum Standard. Für die Aktualität der Daten gilt das aber noch lange nicht. Das betrifft vor allem die Daten der jeweiligen Ansprechpartner. An einigen Stellen findet man noch Wochen, nachdem der Trainer eine neue Nummer bekommen hat, die veralteten Daten. Oftmals findet man auch die Daten des Trainers, der bereits vor mehreren Wochen hingeschmissen hat. Manchmal findet man einfach nur die Daten des Juniorenleiters oder – sogar noch unschöner – überhaupt gar nichts. Kommunikation zum Wohle der Kinder und Jugendlichen fällt so relativ schwer.

Man könnte vermuten, dass derartige Verlegungen von Spielen Einzelfälle darstellen. Leider ist dem nicht so. Inzwischen sind Verlegungen vielerorts zu so etwas wie der Hauptbeschäftigung von Trainern und Juniorenleitern geworden.

Natürlich gibt es trotzdem immer wieder auch positive Beispiele für gelungene Verlegungen. Darüber hinaus kann man sich mit nur wenigen Tipps vor allzu bösen Überraschungen schützen. Folgende Tipps können bei der Planung und Verlegung helfen:

  1. Unmittelbar nach der Veröffentlichung des Spielplans teilt man den selbigen an Spieler bzw. Eltern aus – mit der Bitte, alle Termine des kommenden Jahres zu markieren, an denen die jeweiligen Spieler definitiv nicht vor Ort sein können. Sammelt man die Spielpläne wenige Tage später ein, bekommt man eine frühzeitige Übersicht darüber, wann eine Verlegung in Betracht kommen könnte.
  2. Dasselbe Prozedere wiederholt man noch einmal kurz vor oder nach der Winterpause. So können auch kurzfristig dazugekommene Termine berücksichtigt werden.
  3. Wenn ein Spiel kurzfristig verlegt werden muss und keine Daten der Trainer auf der Internetseite zu finden sind, stehen noch drei Wege offen: der Kontakt über den Staffelleiter, der Kontakt über den Juniorenleiter (Daten sind ggf. über den Kalender des Fußballkreises Berg herauszubekommen) oder der Besuch eines Trainings des Gegners. Letzteres ist je nach Zeit und Lage oftmals mit viel Aufwand verbunden und deshalb sicherlich nur in Ausnahmen zu empfehlen.

Am Ende sollte das Wohl der Kinder und Jugendlichen immer über allem stehen. Wann immer eine Verlegung irgendwie möglich ist, sollte ihr zugestimmt werden – allein schon, um die Begeisterung der Kinder und Jugendlichen für den Sport weiterhin aufrecht zu erhalten. Trotzdem stehen viele Vereine in der Pflicht, ihre Kommunikationspolitik entscheidend zu verbessern. Anderenfalls drohen in Zukunft Spielabsagen en masse. Und das will doch niemand, oder?

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Jugendfußball

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