Unterwegs:Unterwegs in Leverkusen: U15 Juniorinnen

Als Belohnung für die Einsatzbereitschaft der Eltern fuhren die Trainer der U15 Juniorinnen mit Eltern und Spielerinnen zum Bundesliga-Spiel Leverkusen gegen Stuttgart vom 24. Spieltag - dank einer Teilnahme an einer Bewerbungsrunde zu einem Ehrenamtspreis war der Eintritt kostenlos.

Freiwillig hätten wir uns das wohl nicht angetan. Die Blechschüssel in Leverkusen gilt nun wahrlich nicht als Ballungszentrum der guten Stimmung und so würde man – wenn man bares Geld für ein Fußballspiel investieren würde – wahrscheinlich eher ins zweitklassige Köln fahren, um einen schönen und stimmungsvollen Tag zu genießen. Guten Fußball wiederum sieht man tendenziell eher im nördlich gelegeneren Leverkusen. Und so sei es Marketing-Instrumenten wie Freikarten gedankt, dass man für schlechte Stimmung zumindest kein Geld ausgeben muss. Diese hatten wir erhalten, weil der Verein bereits im Winter des letzten Jahres in Form von Thomas Rothe an einer Bewerbungsrunde zu einem Ehrenamtspreis teilgenommen hatte. Dort wurden besonders außergewöhnliche Ehrenämter mit bis zu 5.000 Euro gewürdigt. Zwar konnte man den Hauptpreis letztlich nicht ergattern, doch ließ sich der Verein aus der Chemiehauptstadt nicht lumpen, als Trostpreis ausreichend Freikarten an die teilnehmenden Vereine zu verteilen.

Warum er das tat, wurde uns schnell klar. Stimmung in Form von Fangesängen suchte man schon bei der Ankunft vergeblich. Schlimmer noch die Situation im Stadion: Dort, wo normalerweise die hartgesottenen Fans der eigenen Mannschaft stehen, sitzt man in Leverkusen. Die Stehtribüne, die es gibt, ist dagegen ein „Stehtribünchen“: Sie liegt in einer der kleinen Eckbereiche und war bis kurz vor Spielbeginn noch halbleer. Die Folge: Stuttgart dominierte die BayArena stimmungstechnisch klar und deutlich. Immerhin: Unsere Plätze lagen sehr gut. In unmittelbarer Nähe zu den Dummschwätzern von „Sky“ (Jens Lehmann und Kai Dittmann), „ZDF“ (Wolf-Dieter Poschmann) und den Kollegen von „Sport 1“ (Thomas Helmer) nahm man auf der Westtribüne, sehr mittig gelegen, Platz.

Das Spiel selbst war als Topspiel angepriesen worden, konnte diesem Anspruch aber speziell in der ersten Halbzeit nicht gerecht werden. So litt auch die Taktikanalyse von Carsten und Benni unter dem Spiel der beiden Mannschaften, die nur defensiv zu überzeugen wussten. Zu einem Tor in der ersten Halbzeit reichte es dennoch. Es fiel – na logisch – nach einer Standardsituation: nach Foul an Vedad Ibisevic zeigte Wolfgang Stark wohl zu Unrecht (Foul wohl vor dem Strafraum) auf den Punkt. Der Gefoulte selbst trat an und verwandelte sicher zum 0:1. Der schlechten Stimmung tat dies keinen Abbruch. Im Gegenteil: während die Mädchen schon vor lauter Langeweile durch die Gänge flitzten und mitten im Spiel (!) die Gastronomie der BayArena erkundeten, verzweifelten die stimmungstechnisch verwöhnten Dortmund-Fans (namentlich die Trainer) an der gespenstigen Ruhe. Sogar Bayern-Fans, selbst nicht gerade als Stimmungskanonen bekannt, lachten über die bemitleidenswerten Leverkusener Verantwortlichen. Dass sich Bayer 04 dennoch steigern konnte, spricht dagegen wiederum für die Mannschaft. Auch Stuttgart wachte langsam auf und so hatten die Zuschauer bereits nach 3 Minuten mehr Chancen gesehen als in der kompletten Halbzeit zuvor. Es dauerte dennoch bis zur 84. Minute, bis Stefan Kießling nach einem glasklaren Handspiel den fälligen Elfmeter lässig in die Mitte des Tores verwandeln konnte. Die Hoffnung, dass die inzwischen quer im ganzen Stadion verteilten Mädchen daraus Schlüsse zogen, wie man Elfmeter schießt, hatten die Trainer inzwischen längst aufgegeben. Genauso wie den Wunsch, dass die Mädels das dritte Tor an diesem Abend nur vier Minuten später wahrgenommen haben.

Schließlich war der Facebook Status inzwischen viel wichtiger.

Bilder

Wo woanders eine Stehplatztribüne zu finden ist, wird in Leverkusen gesessen
Statt einer Stehplatztribüne gibt's ein Stehplatzeckchen, gefüllt erst gut 20 Minuten vor Anpfiff
Deutlich lautstärker unterwegs: die Fans des VfB Stuttgart
Die Pressetribüne, u.a. mit Jens Lehmann und Kai Dittmann
Eugenie Sawinkin und Anika Heerling sahen nicht allzu viel vom Spiel
Carolin Rönnbeck, Aleyna Arslan und Meike Hüller beim Betreten des Stadions
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