Kabinengespräch:Ronnie Schmidt und Florian Last: „Jubiläum wird einmaliges Erlebnis“

Ronnie Schmidt und Florian Last sind Beisitzer unseres Vorstands und seit mehr als 20 Jahren im Verein. Wir haben uns mit den beiden zwischen den Jahren getroffen und mehr als drei Stunden über ihre bisherige Zeit in Bielstein gesprochen. Im dritten Teil des groß angelegten Legendengesprächs sprechen Ronnie und Florian darüber, wie sie sich kennengelernt haben und wie zwischen ihnen eine echte Männerfreundschaft entstand. Außerdem erzählen die beiden über die Trainer, die sie am meisten geprägt haben, sowie das 100-jährige Jubiläum des Vereins.

Florian Last und Ronnie Schmidt im Vereinshaus des BSV Bielstein
Gut gelaunt: Florian Last und Ronnie Schmidt beim Legendengespräch

Erzählt doch mal, wie war das zu Beginn eurer Zeit im Verein? Was war besonders stark? Was vermisst ihr heute überhaupt nicht mehr?

Ronnie: Man hatte als Juniorenspieler natürlich nicht so durch den Durchblick wie man ihn inzwischen hat – insofern fällt die Rückschau nicht ganz leicht. Man erinnert sich aber natürlich schon daran, dass vieles anders war. Ich kann mich zum Beispiel noch daran erinnern, dass Alex Moog mich zwar hierhin lotste, aber anfangs im Urlaub war und durch einen anderen Trainer vertreten wurde. In der kurzen Zeit ging es drunter und drüber, dementsprechend war ich froh, als Alex wieder da war. Am Anfang dachte ich aber schon ab und an: „Was will ich eigentlich hier?“ Als Alex das dann wieder übernahm, wurde es aber richtig geil. Die Mannschaft hatte eine super Mischung, wir hatten richtig viel Spaß zusammen. Das passte einfach alles. Unser Mitspieler Ronald Roth hatte einen Partykeller, da versackten wir häufig am Wochenende. Aber auch hier im Vereinshaus blieben wir häufiger hängen. Das Vereinshaus sah früher ja auch noch ganz anders aus. Da saßen Gert und Alfred oft hier (zeigt dorthin, wo früher die Theke endete) und rauchten sich ihre Zigaretten. Alfred war glaube ich damals Juniorenleiter – und so etwas wie die Mutter Theresa. Er war immer für alle da. Die Zeit war einfach urig. Seinerzeit dachte ja auch noch niemand an einen Kunstrasenplatz. Und wir waren natürlich noch ganz anders aufgestellt als wir es heute sind. Zwar war das früher auch schon keine One-Man-Show, aber es war auf weniger Schultern verteilt wie heute.

Florian: Für mich waren „Bimmel“ (Rainer Klocke, Anm. d. Red.), Thomas oder Alfred die drei Ansprechpartner. Wenn du eine Frage oder ein Problem hattest, gingst du zu ihnen und sie halfen dir weiter.

Ronnie: Heute sind wir fast wie ein Unternehmen aufgestellt – mit Abteilungen und Ansprechpartnern für bestimmte Aufgabengebiete. Das macht die Sache für den Vorstand und den Verein natürlich einfacher. Die Zeit war damals einfach anders – auch schön, aber nicht zu vergleichen mit heute. Ich finde es für die heutige Zeit gut, so wie es aktuell ist. Das ist einfach geil.

Florian: Was am Anfang natürlich schon ein bisschen nervte, war der nasse Ascheplatz und die offenen Wunden, die man vom Platz oft davontrug. Man hielt sich aber nicht lange damit auf, weil man es nicht anders kannte. Woran ich mich wiederum sehr positiv erinnere, ist, dass wir auch damals schon Leute hatten, die den Verein einfach rockten und immer da waren. Als ich aus Elsenroth nach Bielstein zurückkam, machte beispielsweise Alfred mit mir das Torwarttraining – obwohl er nebenher noch zehn andere Sachen machte. Alfred konnte zwar nie richtig gegen den Ball treten, weil an ihm kaum was dran und er auch nicht dafür ausgebildet war. Aber er gab immer sein Bestes und wir hatten viel Spaß zusammen. Thomas (Rothe, Anm. d. Red.), der uns in den A-Junioren trainierte, könnte ich hier auch wieder nennen. Man merkt, dass wir hier immer wieder über dieselben Leute reden.

Ronnie: Thomas war damals zusammen mit seinem Namensvetter Thomas (Tröster, Anm. d. Red.) Trainer der A-Junioren. Die hatten stellenweise einen Engpass in der Mannschaft und zogen mich deshalb auch manchmal hoch. Wie gesagt, das sind die Mitglieder, die den Verein in den letzten Jahrzehnten geprägt haben.

Florian: Stimmt! Was ich noch cool fand, war, dass man viele Mitglieder hatte, die einen durch die jeweiligen Jahrgänge begleitet haben. Mit Hansi (Wölfel, Anm. d. Red.) spielte ich jedes zweite Jahr zusammen, mit „Mopsi“ (Alexander Pethe, Anm. d. Red.) sogar jedes Jahr.

Irgendwann lieft ihr euch dann das erste Mal über den Weg. Wann war das?

Florian: Puh, schwierige Frage. (überlegt) Ich würde sagen, dass wir uns kennengelernt haben, als Kevin Palausch und ich in die Erste Herren hochgezogen wurden – das muss im Jahr 2008 gewesen sein.

Ronnie: Ich kann mich noch daran erinnern, dass mein Bruder Kenny damals von einem Torwart aus der Zweiten Herren erzählt hat, der sein Blinddarm herausoperiert bekommen hat – das musst du gewesen sein, Florian. Bis dato kannte dich nur vom Namen her und hatte keinen großen Bezug zu dir.

Das ist inzwischen anders. Zwischen euch hat sich seitdem eine echte Männerfreundschaft entwickelt. Eure Mitspieler nennen euch liebevoll „Ronnie und sein Pfleger“, weil ihr sehr häufig gemeinsam unterwegs seid. Wann habt ihr gemerkt, dass ihr mehr als nur Teamkollegen seid?

Ronnie: Eine richtige Freundschaft entwickelte sich ab der Saison 2008/2009. Wir waren ja dann Mannschaftskollegen, haben uns besser kennengelernt, sicherlich auch mal lauter angeschrien...

Florian:(lacht) Gut, wie willst du dich auch anders auf dem Sportplatz unterhalten, wenn der Ronnie Stürmer und ich Torhüter war?

Ronnie: … und waren dann auf dem Ballermann so viel miteinander unterwegs gewesen, dass wir ab da auch in der Heimat mehr und mehr miteinander zu tun hatten. (lacht)

Florian: Die besten Dinge passieren am Ballermann. (lacht)

Ronnie: Das muss im ersten Jahr gewesen sein, in dem wir am Ballermann waren – das war 2009. Wir hatten seit unserer Ankunft viel getrunken, gefeiert und Spaß gehabt. Eines Morgens saßen wir dann nach einer langen Nacht – es war bestimmt 5 oder 6 Uhr – zusammen auf einer Mauer und teilten uns eine Pizzaecke.

Euer erster „Broment“?

Ronnie: Ja, das war unser Moment. (grinst) Um den Zeitraum wurde es dann intensiver zwischen uns.

Florian: An dem Abend unterhielten wir uns wirklich lange. Ab da ging es mit uns richtig los.

Nicht, dass du dem Ronnie demnächst noch einen Heiratsantrag machst, Florian.

Florian: Vielleicht platze ich demnächst bei Ronnies Trauung ins Standesamt und melde mich, wenn der Standesbeamte fragt, ob noch jemand was zu sagen hat. (lacht)

So viel liebevolle Worte füreinander. Wofür bewunderst du Florian am meisten, Ronnie? Und was nervt dich am meisten?

Ronnie: Ich bewundere Florian für seine Hilfsbereitschaft und seine Loyalität – und alles, was unsere Freundschaft sonst noch so auszeichnet. Florian ist immer ansprechbar und immer greifbar. Dagegen mag ich an Florian nicht – aber das weiß er auch einzuschätzen –, dass er ein Meister der Theatralik ist.

Florian:(lacht)

Ronnie: Florian wird zur Drama-Queen, wenn er etwas verloren hat – und das passiert relativ häufig. Meistens sind es keine wertvollen Dinge, die er verliert - einmal war es aber schon etwas ernster. Wir fuhren eines Abends mit dem Taxi von Köln nach Hause. Florian kramte während der Fahrt in seinem Portemonnaie nach Geld und legte es anschließend neben sich. Beim Aussteigen dachte er dann natürlich nicht daran, das Portemonnaie mitzunehmen. So fuhr der Taxifahrer mit dem Portemonnaie nach Köln zurück. Ich rief dann für Florian bei der zentralen Taxileitstelle in Köln an und besorgte ihm sein Portemonnaie wieder – da hatte er wirklich Glück, dass der Taxifahrer so ehrlich war. Ich weiß das aber auch gut einzuschätzen: Wenn Florian irgendwas verloren hat und es nichts Weltbewegendes ist …

Florian: … sagt Ronnie immer: „Boah, reg dich doch nicht auf.“ Dann sage ich: „Boah, jetzt denk doch mal kurz mit, wo ich es verloren haben könnte.“ Aber er bleibt immer sehr entspannt.

Ronnie: Der hat schon so viel verloren. Das ist nie so dramatisch, wie er das dann darstellt.

Wofür bewunderst du Ronnie, Florian? Und was schmeckt dir überhaupt nicht an ihm?

Florian: Ronnie kann Menschen sehr gut auf Dinge ansprechen, die unangenehm sind – das ist eine große Stärke von ihm. Wo andere Menschen sich nicht trauen, etwas zu entgegnen, meldet sich Ronnie zu Wort. Wenn ihm was nicht passt, sagt er das. Manchmal schießt er auch über das Ziel hinaus, aber zumindest kann man ihm in diesem Moment nicht absprechen, dass er nicht sagt, was ihm gerade durch den Kopf geht. Negativ …

Ronnie: Wie? Mehr positive Sachen habe ich nicht? Ich komm hier mit Hilfsbereitschaft und Loyalität um die Ecke und du …

Florian: Ich nenne nur die wichtigen Stärken. (lacht) Negativ finde ich, dass Ronnie sich manchmal wie ein Mädchen verhält. Ronnie kann schwer angepisst sein, wenn ihm was nicht passt. Es ist dann auch nicht so, dass er dann ruhig ist. Er kommt dann mit Sachen um die Ecke, die gar nichts mit der eigentlichen Sache zu tun haben.

Ronnie:(lacht)

Florian: Wenn Ronnie merkt, dass er nicht im Recht ist, muss er irgendwas suchen, wo er im Recht ist – egal, ob das nun in die Diskussion passt oder nicht. (lacht)

Ronnie: Jaja, und jetzt mach weiter mit den Stärken.

Florian:(lacht) Ich schätze an Ronnie, dass er Menschen wirklich gut überzeugen und mitnehmen kann. Außerdem ist Ronnie ein guter Gastgeber – als Gast mangelt es einem bei ihm an nichts. (nimmt Ronnie in den Arm)

Auf dem Platz habt ihr euch schon mal gerne über viele Meter hinweg angebrüllt, abseits des Platzes seid ihr dagegen sehr harmonisch. Gab es mal einen ernsthaften Streit zwischen euch?

Ronnie: Auf dem Platz haben wir uns tatsächlich des Öfteren mal angeschrien – wie in Rossenbach, als ich Florian anbrüllte, ob er seine Tabletten nicht genommen hat, oder auch in Derschlag. Einen ernsthaften Streit gab es aber nie.

Florian: Natürlich gibt es immer wieder mal unterschiedliche Meinungen zu unterschiedlichen Themen. Ich kann mich aber auf jeden Fall nicht daran erinnern, dass wir mal länger als zwei Tage nicht miteinander gesprochen oder uns gesehen haben. Das passiert aktuell vielleicht höchstens einmal, wenn wir beide mal wieder viel um die Ohren haben.

Ronnie: Es wäre ja auch schlimm, wenn der eine nicht einmal eine andere Meinung hat als der andere - das ist ja genau wie in einer Beziehung mit dem Lebensabschnittsgefährten. Wenn man da so einen notorischen Ja-Sager hätte, wäre das ja langweilig. Wir haben natürlich teilweise andere Ansichten, sind Fan von unterschiedlichen Vereinen, aber darüber hinaus ging es nie. Wollen wir mal hoffen, dass es so bleibt – zumindest bis zum Sommer.

Warum nur bis zum Sommer?

Ronnie: Dann ist meine Hochzeit. Bis dahin darf er sich als mein Trauzeuge keine großen Schnitzer erlauben. (lacht)

Was sagen eure Freundinnen bzw. Frauen zu eurer Männerfreundschaft? Sind sie nicht manchmal eifersüchtig, wenn ihr wieder einmal zusammen abhängt?

Florian: Ab und zu fällt schon mal eine Aussage in die Richtung. (lacht) Das ist dann aber bestimmt nicht negativ gemeint.

Ronnie: Ne, das ist bestimmt nicht negativ gemeint – höchstens mal ein bisschen süffisant.

Florian: Unser Umfeld bekommt aber schon mit, dass wir viel zusammen machen. Die Kinder von „Molles“ Schwester fragen ihre Tante ab und an schon mal: „Wo ist denn der Flo? Ist der wieder mit dem Ronnie unterwegs?“ Da sieht man schon, was für eine Wirkung unsere Freundschaft auf unser Umfeld hat.

Ronnie: Das hat ja auch nicht nur unbedingt mit Fußball zu tun. Die Freundschaft ist aus dem Fußball heraus entstanden und hat sich jetzt so entwickelt – aber das gibt es ja häufiger im Leben. Wir reden natürlich schon viel über den Verein, wenn wir uns sehen – aber eben auch nicht durchgehend.

Florian: Ich habe da mal bewusst drauf geachtet, weil das mal irgendwer gesagt hat. Wir kommen bei unseren Treffen nicht drum herum, dass mindestens einmal ein Halbsatz zum Fußball fällt.

Wir haben eben schon mal kurz über eure persönlichen Highlights gesprochen. An welche Highlights erinnert ihr euch noch gerne zurück? Welche Menschen, die euch über die Jahre im BSV Bielstein begleitet haben, haben euch beeindruckt oder sogar geprägt?

Ronnie: Wir haben ja bereits einige Namen immer wieder mal erwähnt – egal, ob es ein Alex, Alfred, Thomas oder „Stümmel“ ist. Ich würde glaube ich noch Thorsten (Lenger, Anm. d. Red.) nennen, der mich mit seiner Art schon geprägt hat.

Florian: Ich würde noch Carsten (Stellberg, Anm. d. Red.) und Gert (Stoop, Anm. d. Red.) nennen wollen, die mich beide sehr gefördert haben.

Welche Trainer haben euch beeindruckt oder sogar geprägt?

Ronnie: Mein erster Trainer in Bielstein war Alex (Moog, Anm. d. Red.). Er hat mich schon sehr geprägt, weil er für die Mannschaft ein Vorbild war, uns das Vereinsleben sehr nahegebracht und in jungen Jahren sehr viel Verantwortung übernommen hat. Umso mehr freut es mich, dass er seit der letzten Saison wieder bei unserer Dritten Herren spielt und wir uns deshalb jetzt wieder öfter sehen – zwischendurch hatten wir uns ein wenig aus den Augen verloren. Alex ist einfach ein cooler Typ. Genauso wie „Stümmel“, der kam damals über den Eckhard Klees in den Verein. Ich kann mich noch gut an die Vorstellung von ihm erinnern. Thorsten (Lenger, Anm. d. Red.) sollte sein Co-Trainer werden – ihn kannte man ja aus dem Verein. Aber „Stümmel“ saß da und jeder dachte: „Na gut, was kommt da jetzt?“ Dass sich das dann alles so großartig entwickelte, war wirklich ein großer Verdienst von ihm. „Stümmel“ hatte auch höherklassig gespielt und durch seine Lebenserfahrung einfach sehr viel Ruhe ausgestrahlt – das hat man schon gemerkt. Was er dem Verein menschlich gab, war schon der Wahnsinn.

Florian: Das war schon ein Highlight. „Stümmel“ stach auf eine ganz eigene Art und Weise heraus – nicht wegen seinem Erfolg, sondern einfach wegen seinem Charakter und dem, was er dem Verein menschlich gab.

Ronnie: Dann gab es noch die beiden Trainer Dietmar Herhaus und Karl-Heinz Weigang. Erstgenannter ist für viele Menschen im Verein so etwas wie ein rotes Tuch, weil sein Abgang nicht so schön lief. Ich muss aber sagen, dass Dietmar – unabhängig von Herrn Weigang, der auch immer ein sehr gutes Training gemacht hat – das geilste Training geleitet hat, das ich je erlebt habe. Auch die Vision – bestehend aus den Ideen vom Vorstand und den Ideen vom Dietmar – war schon richtig stark. Ich weiß noch, als er zu uns in der Vorbereitung sagte: „Vorbereitung, da machen wir keine 10-Kilometer-Läufe.“ Das war für uns neu.

Florian: Er sagte zu uns: „Wir machen hier alles auf dem Platz. Wir haben hier eine gute Anlage, da brauche ich euch nicht durch den Wald schicken. Ich kann genug mit euch machen, aber das machen wir alles auf dem Platz.“

Ronnie: Und das machte er dann auch – das hat mir sehr imponiert. Leider ist schon im Laufe der Vorbereitung etwas zwischen Mannschaft und Trainer auseinandergegangen.  Dieses Zwischenmenschliche und …

Florian: … das fußballerische Niveau, das er kannte und das viele hier eben nicht kannten, passten leider nicht so zusammen. Ich glaube, dass Dietmar seine Ansprüche sowie seine Ansprache schon sehr stark heruntergefahren hatte – aber das war für viele Spieler immer noch nicht genug. Das hat es nachher schwer gemacht. Die Erwartungen, die er an die Spieler stellte, konnte kaum jemand von uns erfüllen. Selbst, wenn er sagte, dass er zufrieden sei, musste er sich vermutlich das eine oder andere Mal auf die Zähne beißen.

Ronnie: Und trotzdem war’s interessant, mal unter so einem Trainer zu trainieren. Rückblickend hat das natürlich nicht unbedingt Ruhe in den Verein gebracht, aber hinterher ist man immer schlauer. Thorsten (Lenger, Anm. d. Red.) war auch ein toller Trainer. Er war damals Co-Trainer unter „Stümmel“ und löste diesen schließlich nach zweieinhalb Jahren ab. Thorsten war ein ganz anderer Typ als „Stümmel“ – viel lauter und emotionaler, aber trotzdem kameradschaftlich, loyal und cool. In Thorstens Zeit organisierten wir auch diverse Feiern.

Florian: Es war aber auch keine Überraschung, dass man mit Thorsten gut feiern konnte – wer einmal Prinz im Karneval war, hat es halt drauf. Wir hätten die Überraschungs-Abschiedsfeier für Thorsten auch nicht gemacht, wenn wir ihn nicht gemocht hätten. Auf dieser Feier waren wir – mit Ausnahme von zwei Leuten, die glaube ich im Urlaub waren – vollzählig – das zeigt ja, dass die Mannschaft ihn sehr mag. Damit hatte Thorsten aber auch nicht gerechnet: Er kam mit Unterhose und T-Shirt in seinen Partykeller rein, während wir dort mit zwanzig Mann saßen.

Ronnie: Man muss an diesem Punkt aber auch den Carsten Stellberg erwähnen, der sich da über das normale Maß eines Co-Trainers hinaus engagiert hat. Carsten hat damals viele Klinken von Unternehmen geputzt, um unsere Mannschaft auszustatten – das war schon Wahnsinn. Das imponierte dem einen oder anderen Spieler schon sehr.

Florian: Die Arbeit, die sich Carsten mit uns Torhütern gab, habe ich so nie mehr gesehen. Das war in diesem Verein einmalig. Ich war noch nicht einmal auf meinen Parkplatz gefahren, als hier schon alles aufgebaut war. Carsten machte sich jedes Mal seine Gedanken. Er ist sicherlich ein Typ für sich, aber man muss ihn einfach mögen. Wenn Carsten für irgendwas brennt, dann lässt er alles stehen und liegen und ist voll dabei. Das galt für das Training wie auch für die Spiele. Einmal gab er mir sogar CDs mit, damit ich mir dort ein paar Übungen anschauen konnte.

Ronnie: Diese positive Verrücktheit habe ich auch so wahrgenommen, obwohl ich als Feldspieler weniger mit ihm zu tun hatte. Wir hatten noch weitere Trainer, die einen natürlich alle irgendwie beeindrucken oder ein bisschen prägen – aber das würde vermutlich den Rahmen deiner Frage sprengen. Uwe, Kai, „Mümmel“, Holger – das waren und sind natürlich trotzdem alles Pfundskerle.

Was waren eure witzigsten Anekdoten?

Ronnie: Als du in Rossenbach mit vollem Tempo gegen den Pfosten gelaufen bist und danach getan hast, als sei nichts passiert, Benjamin.(lacht)

Florian:(lacht) Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass Christopher (Pethe, Anm. d. Red.) vor einigen Jahren mal in einem Spiel den Ball an der Mittellinie bekam und zum Schuss ausholte. Wir haben alle geschrien: „Nein, Chris, nicht schießen!“ Und Christopher nahm sich das Ding, schoss drauf und traf den Ball überhaupt nicht richtig. Der Ball wurde aber länger und länger und landete schließlich im Tor.

Ronnie: Daran kann ich mich auch noch gut erinnern. Zu dem Zeitpunkt war ich gerade auf Mallorca und bekam einen Liveticker übers Smartphone. Mein Gegenüber schrieb dann: „Das glaubst du nicht, der Chris kriegt hier aus gefühlt 45 Metern den Ball, volley drauf und trifft den auch noch.“ Ich hab’s ja selbst nicht gesehen, aber das war ein Ding.

Florian: (lacht)

Ronnie: Apropos Mallorca: Vor drei Jahren trafen wir auf Mallorca Daniel Danger von 1LIVE. Er war gerade da, um das Video für sein Lied „Hey, kleine Maus“ zu drehen. Ich hatte schon mal von ihm gehört, weil Katrina ihn mal auf einer Party getroffen hatte – er kommt ja aus Holpe. Als ich ihn von Katrina gegrüßt habe, war das Eis natürlich gebrochen. Und plötzlich waren wir auf dem Cover dieses Welthits – Wahnsinn! (lacht)

Florian: Ich erinnere mich auch gerne an unsere Pferdekutschfahrt in Mallorca. Eines Morgens stolperten wir aus dem Megapark, als plötzlich vor uns auf der Straße eine Pferdekutsche entlangfuhr. Wir sind dann mit der Pferdekutsche bis kurz vor unser Hotel gefahren. Plötzlich sahen wir einen Sparmarkt, der noch offen hatte. Da sind wir dann alle hin gestürmt – zumindest so lange, bis der Kutschführer uns lauthals anschrie, dass wir doch bitte bezahlen mögen. Dann sind wir nochmal zurück. Das war auch ein witziges Erlebnis.

Ronnie: Eine Anekdote habe ich auch noch: Bei den A-Junioren haben wir mal nach einem Spiel das Auto (einen roten Renault Twingo, Anm. d. Red.) von unserem Vereinskameraden „Fulli“ (Faulenbach, Anm. d. Red.) auf den Vorplatz von den Kabinen gestellt – genau zwischen zwei Pfosten, sodass er nicht wegfahren konnte. Der war natürlich ziemlich sauer. Das war auch ein großer Spaß.

Apropos Spaß: Im nächsten Jahr wird der BSV Bielstein 100 Jahre alt und feiert dieses Jubiläum quasi das ganze Jahr durch. Es ist der vorläufige Höhepunkt einer großartigen Entwicklung des ganzen Vereins. Als Beisitzer für Veranstaltungen und Sonderaufgaben seid ihr dann quasi mittendrin. Wie stellt ihr euch das Jubiläumsjahr vor?

Ronnie: Das wird ein einmaliges Erlebnis, ein solches Jubiläum erlebt man nur einmal im Leben.

Florian: Wenn man mal überlegt, was wir jetzt schon alles hier hatten – unsere Einweihungsfeier, aber auch die Ehrenrunde. Das waren glaube ich die größten Veranstaltungen in den letzten Jahren. Wenn du da noch einen draufsetzen willst, brauchst du fast eine Band. Das kannst du nicht mit einem Turnier oder einer Feier im Vereinshaus machen – da musst du einen raushauen.

Ronnie: Das Jahr beinhaltet ja vermutlich mehrere Veranstaltungen, darunter vermutlich auch etwas gediegenere Veranstaltungen für die Partner des Vereins. Wenn man das aber nur auf die eigentliche Feier bezieht, wird es sicherlich groß und bunt. Es haben sich jetzt auch schon verschiedene Personen damit beschäftigt. Sowas plant man nicht erst in dem Jahr, in dem das Jubiläum ist, sondern schon etwas früher. Ich glaube, da wird ein richtiges Highlight kommen – dementsprechend freue ich mich auch sehr darauf. Daneben gibt es ja auch noch die Vision 2020, da stünde ja noch ein Aufstieg aus. Das wäre dann natürlich noch ein richtiges Highlight. Eine schöne Sache wäre es auch, wenn wir am Rosenmontagszug mit einem eigenen Wagen mitgehen würden. Damit würden wir uns im Vergleich zu den Vorjahren nochmals steigern.

Was wünscht ihr dem BSV Bielstein zu seinem Geburtstag?

Florian:(überlegt) Konstanz.

Ronnie:(überlegt) Erfolg.

Florian: Florian und Ronnie.

Ronnie:(überlegt) Konstanz, Erfolg, aber vor allem Kameradschaft und Loyalität. Ich hoffe, dass es noch lange so positiv weitergeht wie seit 2014 – das wird natürlich nicht ewig möglich sein, aber wir sollten alles dafür investieren, dass es noch lange so bleibt.

Florian:(überlegt) Ich hoffe, dass wir unsere Tugenden bewahren, die Gemeinschaft zusammenhalten und sportlich weiterhin unser Bestes geben können. Ein Verein findet ja nicht nur auf dem Sportplatz statt, sondern auch außerhalb dessen und braucht ein gutes Vereinsleben. Wenn wir in den Bereichen bleiben, wo wir gerade sind, dann haben wir einen guten Grundstein für die nächsten Jahre. Das ist glaube ich viel wichtiger als irgendein Aufstieg – das sind ja letztlich nur Momentaufnahmen. Als Verein müssen wir weiterhin eine gewisse Grundstabilität haben, damit wir da in den nächsten 10 bis 20 Jahren drauf aufbauen können – oder auch in den nächsten 100 Jahren. (lacht)

Ronnie: Ich sehe das ähnlich. Natürlich wäre ein Aufstieg – wie erwähnt – schön, aber ich finde die Klassen gut, in der sich unsere Erste Herren und unsere Damen momentan befinden. Dort gibt es viele Lokalderbys.

Florian: Genau! Jetzt hast du viele Lokalderbys, jetzt hast du viele Leute am Platz.

Ronnie: Wenn man weiterdenkt, hat unser Vorstand klug gehandelt, als er beschlossen hat, für unseren Kunstrasenplatz keine Darlehen aufzunehmen. Wir sind schuldenfrei und können heute schon Rücklagen bilden. Da werden einige Vereine in den nächsten Jahren mit zu kämpfen haben. Außerdem haben wir fast alle Juniorenmannschaften besetzt. Da agieren wir wirklich vorbildlich. Das wünsche ich dem Verein, dass er das festigen kann.

Ihr habt viele Jahre gemeinsam auf dem Platz gestanden, gemeinsam eure Karrieren beendet, mit nur wenig Abstand gemeinsam eure Eigenheime gebaut und mit ebenso wenig Abstand – dieses Mal jeder für sich – eure Freundinnen um die Hand angehalten. Was habt ihr noch für gemeinsame Pläne?

Florian:(überlegt) Ballermann. (lacht)

Ronnie:(überlegt) Ich möchte auch nochmal gerne an den Ballermann, am liebsten natürlich verbunden mit einem sportlichen Highlight.

Florian: Spaß beiseite: Ich hoffe, dass unsere Freundschaft noch viele Jahrzehnte lang anhält und dass es so, wie es gerade ist, auch noch in 10, 20, 30 oder 60 Jahren ist.

Ronnie: Auf jeden Fall! Und nochmal zusammen an den Ballermann…

Ihr müsst nicht mit einer richtigen Prognose antworten, aber wann sehen wir Mini-Ronnie und Mini-Florian gemeinsam über den Platz jagen, während Ronnie und Florian danebenstehen?

Florian:(lacht)

Ronnie:(lacht) Es wäre natürlich schön, wenn der Sohn von Florian ein bisschen mehr Talent hätte als sein Vater. (lacht)

Florian: (lacht)

Ronnie: Ich glaube, dass Florian deine Frage besser als ich beantworten kann – bei den beiden ist das fast schon vorbestimmt.

Florian: Wieso?

Ronnie: Du hast doch früher geheiratet.

Florian: Na gut, dann zum 100-jährigen Jubiläum. (lacht) Aber ich hoffe, dass das kein Trennungsgrund für uns beide wäre, Ronnie. (lacht)

Ronnie: So schnell wirst du mich nicht los, mein Nasenbär.

Lieber Ronnie, lieber Florian, wir danken euch fürs Gespräch.

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